Schießen mit dem G22:

 

Zu Beginn der Ausbildung erhält der "Scharfschützenanwärter" das Gewehr, welches ihm für die Dauer der Ausbildung zum Scharfschützen und darüber hinaus, vorausgesetzt er vollendet die Ausbildung erfolgreich, auch danach noch die gesamte Zeit seiner Verwendung als Scharfschütze begleitet. Es ist sozusagen SEINE WAFFE ! Ist diese erst einmal auf den Scharfschützen angeschossen, so ergibt sich eine präzise, tötliche Symbiose. Kein anderer wird mit diesem Gewehr schießen, es sei denn der Scharfschütze selbst erlaubt es. Dieses Gewehr ist ihm heilig, er behandelt es wie einen Schatz, denn sollte es durch äußere Einwirkungen zur Dejustierung des G22 kommen, so kann der Scharfschütze seinen Auftrag nicht mehr erfüllen und es kommt zum sogenannten Fehlschuß, welcher dem Scharfschützen unter Umständen das Leben kosten kann.

 

 

An diesem oben beschriebenen Gewehr wird der Scharfschütze nun ausgebildet und führt auch Schießtraining durch. Es braucht eine gewisse Zeit bis er das "Feeling" für die Waffe bekommt. Mit jeder verschossenen Patrone lernt er das Verhalten und die Eigenheiten des G22 beim Schuß besser kennen. Er wird im Laufe der Schießausbildung einen Level erreichen der zwar noch ausbaufähig ist, sich aber durch realtive Sicherheit des Schützen auszeichnet und somit eine Arbeitsbasis bietet. Der Scharfschütze muß nun an sich selbst arbeiten. Er muß beim Schuß in sich hineinhören, jede kleine Bewegung registrieren, jedes Zucken, Zwinkern oder Mucken abstellen. Er muß an seiner Schießtechnik arbeiten. Dazu gehört das auffassen des Ziels, die innere Ruhe, das Zusammenspiel von Auge und Zielfernrohr, die Atmung und auch der Pulsschlag. Während dieser Ausbildung wird er natürlich nicht alleingelassen, sondern immer vom Ausbilder beaufsichtigt, welcher Fehler abstellt oder auch Fragen klärt. Der Scharfschütze muß auch lernen seine Treffbilder selbstständig auszuwerten und daraus Schlüsse zu ziehen, welche zur Verbesserung der Schießleistung führen.

 

 

Ziel der Schießausbildung ist es in der 1. Phase gute Schießleistungen beim Schützen zu erreichen. In der 2. Phase muß der Scharfschütze beim Schießen sicher werden. Das bedeutet, er muß auf sich und seine Waffe vertrauen, muß auch vor der Schußabgabe bereits sicher sein, das Ziel zu treffen, unabhänig von äußeren Einflüssen wie z.B. Wind, Niederschlag oder Temperatur. Dies ist sehr wichtig für das erfüllen späterer Aufträge, denn wenn der Scharfschütze von vorne herein an seinen Schießleistungen zweifelt, wird er später im entscheidenden Moment zögern und dies führt dann wiederum zum bereits oben beschriebenen Fehlschuß und dessen Folgen.

 

Die Schießausbildung umfasst u.a. folgende Punkte:

- "Nullen" der Waffe (jeder für sich) D.h. das ZF des G22 wird auf 100m so eingestellt, daß bei optimaler Treffpunktlage alle Clickeinstellungen auf null stehen.
- Entfernungen "erschießen" (jeder für sich) D.h. es wird nun der Reihe nach von 150m bis 1000m Entfernung (zunächst in 50m Schritten) geschossen. Jede einzelne Entfernung aber solange, bis auch hier die Treffpunktlange optimal ist und notiert sich die entsprechenden Clicks. Gleichzeitig werden aber auch alle anderen Einflüsse auf die Geschoßflugbahn dazugeschrieben.
- Schießen auf wechselnde Entfernungen (im Trupp) Der Scharfschützentrupp (bestehend aus Schütze und Beobachter) arbeitet nun das erste mal zusammen. Auch hier werden alle Ergebnisse notiert.
- Schießen auf Klein- u. Kleinstziele (im Trupp) Wieder Trupparbeit, diesmal auf Entfernungen 100m - 600m. Wie immer werden auch hier alle Schießergebnisse notiert.
- Schießen auf bewegliche Ziele (im Trupp) Trupparbeit auf Ziele, welche mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten Querbewegungen in verschiedenen Entfernungen durchführen. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der korrekten und zügige Ermittlung des Vorhaltes.
- Gefechtsschießen (im Trupp) Zusammenfassung aller o.g. Möglichkeiten im Trupp zu schießen. Solche Schießen werden auf dafür vorgesehenen Gefechts- oder Scharfschützenschießbahnen durchgeführt.

 

 

Wie man hier sieht, wird fast immer im Trupp gearbeitet. Dies ist bewußt so gesteuert, da auch Aufträge immer im Trupp ausgeführt werden. So ist die kompromisslose Trupparbeit eine wichtige Grundlage für spätere Einsätze. Die Schießausbildung an sich, umfast einen großen Teil der Scharfschützenausbildung und ist in ihrer Priorität sehr hoch anzusetzten.