Annäherungsübungen:

 

Ausbildungziel: Der Scharfschütze soll sich unter Ausnutzung des Geländes sicher und ungesehen an den Feind annähern um aus einer selbstgewählten Stellung das Ziel mit einem tötlichen Schuß zu eliminieren.

 

Vorbereitung:

Der Ausbilder teilt an den Scharfschützen eine Karte, einen Kompaß, ein DF 8x30 und ein Luftbild (wenn verfügbar) aus. Weiterhin gibt der Ausbilder die Position des Ziels und den Absetzpunkt vor, sowie die rechte und linke Grenze des Annäherungsstreifens (diese Streifen darf während der Annäherungsübung nicht verlassen werden). Außerdem wird ein Entfernungsrahmen (min. - max. Entfernung zum Ziel) vorgegeben, aus welchem der Scharfschütze seinen Schuß abfeuern darf. Zuletzt wird nun noch die Zeit der Verbringung zum Absetzpunkt befohlen (zu diesem Zeitpunkt hat der Scharfschütze abmarschbereit zu sein). Der Scharfschütze hat nun Zeit anhand der ausgeteilten Hilfsmittel seinen Anmarschweg zu planen, den entgültigen kann er erst vor Ort festlegen.

Jetzt teilt der Ausbilder noch 2 Beobachter und 2 Läufer ein. Die Beobachter stellen später das Ziel dar, gleichzeitig haben sie den Auftrag, ständig den Annäherungskorridor zu beobachten, mit dem Ziel, die sich annähernden Scharfschützen aufzuklären. Als Beobachtungsmittel dienen ihnen DF 10x50. Die Läufer werden mit deutlich sichtbaren Warnwesten gekennzeichnet. Weiterhin hat jeder Läufer einen ca. 2 Meter langen Holzpfeil, welcher ebenfalls eine deutlich sichtbare rote Pfeilspitze hat. Die Läufer haben den Auftrag, sich während der Annäherungsübung im Annäherungskorridor zu bewegen und bei Bedarf den Anweisungen der Beobachter zu folgen, doch dazu später mehr. Beide Trupps, die Beobachter und die Läufer sind zusätzlich mit Funkgeräten ausgestattet.

 

Durchführung: Die Annäherungsübung beginnt mit der Verbringung des Scharfschützen zum Absetzpunkt. Dort angekommen stellt er sofort seien eigenen Standort fest um zu prüfen ob der ihm vorgegebene Absetzpunkt mit diesem tatsächlich übereinstimmt. Wenn alle Vorbereitungen (Tarnung, feststellen der Marschrichtung u.s.w.) abgeschlossen sind marschiert der Scharfschütze ab. Die Distantz welche er nun zurücklegen muß variiert zwischen 1000 - 5000m. Auf seinem Weg in den geplanten Stellungsraum ist es sein oberstes Ziel vom Feind unerkannt zu bleiben.

 

 

Ist der Scharfschütze im Stellungsraum angekommen legt er ein Nahversteck an, aus welchem er dann seine Stellung erkundet und ausbaut. Die Scharfschützenstellung muß so angelegt werden, daß sie aus Feindsicht, selbst nach der Schußabgabe nicht aufklärbar ist. Unten sehen wir jetzt ein Beispiel einer solchen Stellung.
 

 

 

  Der Scharfschütze bekämpfte aus dieser Stellung ein Zeil auf ca. 500m Entfernung. Die Tarnung der Stellung ist für diese Kampfentfernung gut gewählt und ausreichend. Im nächsten Bild sehen wir den Stellungsraum aus Feindsicht (vom Ziel nach Auftragserfüllung des Scharfschützen fotografiert).
 

 

 

  Hat der Scharfschütze seine Stellung seinem Auftrag und dem Gelände entsprechend ausgebaut, macht er sich zum Schuß fertig. Dazu gehört die genaue Ermittlung der Enfernung. Da der Scharfschütze lernen soll auch ohne Laserentfernugsmesser zu arbeiten, muß er bei einer Annäherungsübung sämtliche Entfernungen mit DF, ZF und durch Schätzen ermitteln. Gerade Letzteres muß regelmäßig trainiert werden, um genau und sicher schätzen zu können. Hat er die Entfernung richtig ermittelt, prüft er noch einmal ob die Geschoßflugbahn frei ist (nur so ist ein Präzisionsschuß auch auf größere Entfernung möglich). Jetzt beobachtet er sein Ziel und prüft ob er es trotz Tarnung noch identifizieren kann (siehe Foto unten). Ist dies der Fall, dann bricht der Schuß (dargestellt durch eine Manöverpatrone).
 

 

 

  Sobald der Schuß gebrochen ist, beobachtet mindestens einer der Beobacher genau in diese Richtung und sucht gezielt in dem vermuteten Gelände der Schußabgabe nach möglichen Scharfschützenstellungen. Auch der Läufer bewegt sich jetzt in Richtung Schußabgabe und nimmt akkustische Verbindung mit dem Scharfschützen auf. Dabei achtet der Läufer darauf, daß er keine Bewegung, Geste oder Blickwendung macht, die die Stellung des Scharfschützen auch nur im Ansatz vermuten lassen könnte. Kann der Beobachter nichts entdecken so wird der Läufer durch Zuruf des Scharfschützen in die Nähe der Stellung geführt, bis er sich in ca. 5 Meter Entfernung (man spricht auch vom "5 Meter Kreis") befindet, dann stopt er und verbleibt da bis er weitere Anweisungen vom Beobachter erhält (der Läufer sollte spätestens jetzt anhand des Zurufs und der Entfernung, zumindest grob die Stellung des Scharfschützen kennen). Der Beobachter sieht den Läufer und versucht nun die Scharfschützenstellung aufzuklären, denn er weis, daß diese sich in ca. 5 Meter Entfernung rund um den Läufer befindet. Kann er den Scharfschützen entdecken, so führt er den Läufer über Funk zum vermuteten Punkt und dirigiert den o.g. roten Pfeil direkt auf den Scharfschützen. Jetzt gibt er über Funk das Kommando "Schuß" an den Läufer. Wenn sich der Scharfschütze wirklich an der, durch den Pfeil markierten Stelle befindet, so gibt der Läufer das Kommando "Treffer" laut und deutlich über Funk zurück an den Beobachter.
 

 

 

  Hat der Beobachter die Stellung nicht erkannt oder eine falsche identifiziert, so wird die Übung fortgesetzt und der Beobachter hält einen ca 20 cm großen schwarzen Buchstaben auf weißem Grund hoch. Nun muß der Scharfschütze diesen innerhalb von 30 Sekunden identifizieren und dem Läufer laut und deutlich zurufen, dieser meldet die Beobachtung des Scharfschützen über Funk weiter an den Beobachter und dieser bestätigt oder meldet "negativ" (in diesem Fall gibt es Punktabzug und der Scharfschütze erhält noch eine Chance). In der Regel kann der Scharfschütze allerdings den Buchstaben richtig identifizieren. Nun bewegt sich der Läufer weiter bis auf eine Entfernung von 3 Metern ("3 Meter Kreis") an die Stellung des Scharfschützen heran, bleibt da wieder stehen und meldet über Funk "3 Meter Kreis". Nun gibt der Läufer das Kommando "Fertigmachen zum 2. Schuß !". Der Scharfschütze muß also seinen 2. Schuß vorbereiten und auf Kommando "Schuß !" abfeuern (wieder nur Manövermunition). Der Beobachter sieht den Läufer und versucht nun die Scharfschützenstellung aufzuklären, denn er weis, daß diese sich in ca. 3 Meter Entfernung rund um den Läufer befindet, hinzu kommt die Rauchentwicklung beim Schuß, welche (wenn bei der Stellungswahl nicht bedacht) die Stellung ebenfalls verraten könnte. Kann der Beobachter den Scharfschützen entdecken, so führt er den Läufer über Funk zum vermuteten Punkt und dirigiert den roten Pfeil direkt auf den Scharfschützen. Jetzt gibt er über Funk das Kommando "Schuß" an den Läufer. Wenn sich der Scharfschütze wirklich an der, durch den Pfeil markierten Stelle befindet, so gibt der Läufer das Kommando "Treffer" laut und deutlich über Funk zurück an den Beobachter. Hat der Beobachter die Stellung nicht erkannt oder eine falsche identifiziert, so wird die Übung fortgesetzt und der Beobachter hält erneut einen ca 20 cm großen schwarzen Buchstaben (diesmal einen anderen) auf weißem Grund hoch. Nun muß der Scharfschütze diesen wieder innerhalb von 30 Sekunden identifizieren und dem Läufer laut und deutlich zurufen, dieser meldet die Beobachtung des Scharfschützen über Funk weiter an den Beobachter und dieser bestätigt oder meldet "negativ" (in diesem Fall gibt es Punktabzug und der Scharfschütze erhält noch eine Chance). In der Regel kann der Scharfschütze allerdings den Buchstaben richtig identifizieren.
 

 

 

  Nun geht der Läufer direkt zum Scharfschützen, denn der Auftrag des Beobachters ist jetzt beendet. Als Letztes überprüft der Läufer nun ob der Scharfschütze aus der gewählten Stellung das Ziel treffen kann, ob die Geschoßflugbahn frei ist und ob der Scharfschütze die richtigen Clicks anhand der ermittelten Entfernung und seinem Scharfschützenbuch zu seiner Waffe, richtig eingestellt hat. Wenn der Scharfschütze nun alle diese Aufgaben erfüllt hat ohne vorher augeklärt worden zu sein, so ist die Annäherungsübung mit "sehr gut" bestanden. Zur Bewertung liegt ein Notensystem vom 1-6 zugrunde. Wird der Scharfschütze in seiner Stellung zu im 5 Meter Kreis erkannt, so bedeutet dies automatisch die Note 6, 3 Meter Kreis wäre Note 4 in der Bewertung. Falsch Einstellungen an der Waffe und falsche Entfernungsermittlung ergibt entsprechend Punktabzug. Sollte die Geschoßflugbahn nicht 100%ig frei sein bedeutet dies wiederum Note 6.